Mehr Bäume für Bern – 10’000 zusätzliche Bäume bis 2037 – für mehr Schatten, kühlere Quartiere und einfachere Baumpflanzungen

Sehr geehrte Frau Stadtpräsidentin Kruit
Sehr geehrte Gemeinderätinnen
Sehr geehrte Gemeinderäte

Der Gemeinderat verfolgt das Ziel, Bern als lebenswerte, klimaresiliente und attraktive Stadt weiterzuentwickeln. Dieses Ziel teilen wir vom Jungfreisinn Stadt Bern. Wir sind überzeugt, dass die Weiterentwicklung unserer Stadt eine gemeinsame Verantwortung aller politischen Kräfte ist. Deshalb wollen auch wir konstruktive, pragmatische und finanzierbare Lösungen einbringen.

Aktuell erleben wir eine aussergewöhnliche Situation, die für unsere junge Generation künftig immer häufiger zur Normalität werden dürfte: In diesem Sommer wurden in Bern bereits 25 Hitzetage gemessen – also Tage mit Temperaturen von über 30 Grad.

Bern braucht deshalb dringend mehr Bäume – und zwar schnell.

Davon profitieren nicht nur Umwelt und Klima, sondern ebenso die Bevölkerung, das Gewerbe und die Attraktivität Berns als Wirtschafts- und Wohnstandort. Stadtbäume spenden Schatten, reduzieren Hitzeinseln, verbessern das Mikroklima und erhöhen die Aufenthaltsqualität in unseren Quartieren und Zentren. Jeder zusätzliche Baum ist deshalb auch ein Standortfaktor: Er erhöht die Lebensqualität und kann dazu beitragen, klimabedingte Folgekosten für Bevölkerung und öffentliche Hand zu reduzieren.

Nach Angaben der Stadt Bern ist der Baumbestand in den vergangenen rund 24 Jahren zwar um rund sieben Prozent gewachsen. Das zeigt, dass bereits Fortschritte erzielt wurden. Angesichts der zunehmenden Verdichtung, steigender Sommertemperaturen und einer wachsenden Bevölkerung sind wir jedoch überzeugt, dass Bern ambitionierter werden muss. Tempo ist gefragt.

Baumstrategie Bern 2037: 10’000 zusätzliche Bäume

Der Jungfreisinn Stadt Bern regt deshalb die Erarbeitung einer «Baumstrategie Bern 2037» an. Sie soll ein einfaches, messbares und ambitioniertes Ziel verfolgen: 10’000 zusätzliche Bäume auf öffentlichem und privatem Grund bis 2037.

Dabei stellt sich eine zentrale Frage: Weshalb werden heute vielerorts keine zusätzlichen Bäume gepflanzt?

Aus unserer Sicht liegt ein Teil der Antwort in starren Vorschriften, komplizierten Verfahren und planerischen Hindernissen. Eine Baumstrategie darf deshalb nicht primär neue Regulierungen schaffen. Im Gegenteil: Sie muss bestehende Hürden abbauen und private wie öffentliche Baumpflanzungen einfacher machen.

Wir fordern den Gemeinderat deshalb auf,

  • die geltenden Grenzabstände für Bäume auf Privatgrundstücken zu überprüfen und, wo sinnvoll, flexibler auszugestalten, sofern berechtigte Interessen der Nachbarschaft und Sicherheitsaspekte gewahrt bleiben. Gerade in dicht bebauten Quartieren können starre Abstandsvorschriften zusätzliche Baumpflanzungen verhindern;
  • Bewilligungsverfahren für Baumpflanzungen sowie Dach- und Fassadenbegrünungen zu vereinfachen und zu beschleunigen. Wer freiwillig auf seinem Grundstück Bäume pflanzen oder andere Begrünungsmassnahmen umsetzen möchte, soll von der Verwaltung unterstützt und nicht durch vermeidbare Bürokratie ausgebremst werden;
  • das Potenzial für zusätzliche Bäume im öffentlichen Raum konsequent auszuschöpfen. Bei grösseren Bau- und Sanierungsprojekten sollen zusätzliche Baumstandorte von Beginn an geprüft werden. Versiegelte Flächen sind dort, wo es sinnvoll und möglich ist, zu entsiegeln und für Bäume nutzbar zu machen.

Entscheidend ist für uns zudem das Tempo. Es darf nicht Jahre dauern, bis eine Baumstrategie entwickelt, konsultiert und schliesslich umgesetzt wird. Bern braucht kein langwieriges Strategieprojekt, sondern ein schlankes, pragmatisches und umsetzungsorientiertes Programm mit klaren Zielen und konkreten Massnahmen.

Platz für zusätzliche Bäume ist vorhanden

Bern verfügt über zahlreiche öffentliche Räume mit erheblichem Potenzial für zusätzliche Bäume.

Der Wankdorfplatz zeigt exemplarisch, wie stark sich grossflächig versiegelte Flächen in den Sommermonaten aufheizen. Zusätzliche Bäume könnten dort das Mikroklima verbessern und gleichzeitig die Aufenthaltsqualität erhöhen.

Auch beim Bahnhof Bern sollte geprüft werden, ob die heutige Glasüberdachung langfristig durch eine Lösung ersetzt werden kann, die zusätzliche Bäume und eine attraktivere Gestaltung des öffentlichen Raums ermöglicht.

Weitere Möglichkeiten bestehen entlang breiter Strassenräume sowie auf geeigneten Kreiseln und öffentlichen Plätzen – ohne die notwendige Leistungsfähigkeit der Verkehrsinfrastruktur einzuschränken.

Konkretes Potenzial sehen wir beispielsweise bei einer strassenseitigen Baumbepflanzung beim ehemaligen Tramdepot Burgernziel, bei zusätzlichen Baumreihen entlang der Kirchenfeldstrasse und Schwarztorstrasse sowie entlang des Pulverwegs, des Friedhofwegs und beim künstlichen Erdwall beim Zentrum Paul Klee. Diese Beispiele stehen stellvertretend für zahlreiche weitere Orte in Bern, bei denen zusätzliche Baumstandorte geprüft werden sollten.

Uns ist bewusst, dass bestehende Werkleitungen und der Leitungskataster zusätzliche Baumstandorte erschweren können. Diese Herausforderungen sind real. Der Leitungskataster darf jedoch nicht zum pauschalen Argument gegen zusätzliche Bäume werden. Wo klassische Baumpflanzungen nicht möglich sind, braucht es pragmatische Alternativen und den Willen, Lösungen zu finden.

Wir sind überzeugt, dass in Bern Platz für deutlich mehr Bäume besteht – durch pragmatische Planung, den Abbau unnötiger Regulierungen und ohne unverhältnismässige öffentliche Ausgaben.

Nicht jede zusätzliche Baumpflanzung braucht ein neues Förderprogramm. Oft genügt es, bestehende Hindernisse abzubauen, Verfahren zu vereinfachen und privates wie öffentliches Engagement zu ermöglichen. Jeder zusätzliche Baum auf öffentlichem oder privatem Grund trägt zu einem angenehmeren Stadtklima, mehr Schatten und einer höheren Lebens- und Aufenthaltsqualität bei.

Mehr Bäume brauchen nicht mehr Bürokratie. Sie brauchen bessere Rahmenbedingungen, pragmatische Lösungen und Raum für Eigeninitiative.

Diesen Weg möchten wir gemeinsam mit dem Gemeinderat gehen.

Mit freundlichen Grüssen

Vorstand JF Stadt Bern

Corsin Casty, Präsident JF Stadt Bern